Gschpüerschmi?

Eine Gruppe von Profis in einem Workshop mit dem Thema „Disziplinen übergreifende Zusammenarbeit“. Kaum geht es um „Umgang mit Konflikten und Macht“ verliert einer der Teilnehmer die Nerven. Bei ihnen laufe das völlig konfliktfrei und wer wisse, wie das wirklich laufe, der wisse auch, dass das bei ihnen gut laufe und auf jeden Fall nicht so auf der Ebene „Gschpüerschmi“ wie dieser Workshop.

Bumm!

Nach der ersten Überraschung mein erster Gedanke: „Woher nur diese Aggression?“

Ein Missverständnis vielleicht? …Aber würde das diese Heftigkeit erklären, dieses Verächtliche im Ton?

„Eine Überdosis Feel-me-touch-me-Anlässe in unserem Betrieb“ vermutet die interne Kollegin in der Pause. Eine allergische Reaktion also. Völlig angebracht ist Unbehagen, wenn Vertreter gewisser Methoden sich auf „Feinstoffliches“, „Energetisches“ und „Emotionales“ herausreden, wo es um Handfestes wie Interessen, Einfluss und Macht geht. Kein Problem.

Aber jedoch liegt der Fall genau umgekehrt.

Hier wird versucht, die „Sache“ zum einzigen legitimen Inhalt zu machen. In der Vorstellung, auf der so genannten Sachebene gehe es nur um „objektive“ Dinge, rationale Argumente und daher logisch, linear und berechenbar zu und her. Nach dem Motto: „Beziehungen sind etwas für Weicheier!“

Was hat diese Person im Grunde so aufgeregt? Wahrscheinlich meine Bemerkung, dass Menschen auf Dauer eher gewonnen und überzeugt, als überredet und „motiviert“ werden möchten. Und dass zu den sachlichen Argumenten sich Vertrauen gesellen muss, um von echter Zusammenarbeit reden zu können.

Was macht hier so viel Angst? Diese Ebene ist ungleich ungewohnter, erfordert Empathie, Selbstvertrauen, Mut, Risikobereitschaft, Offenheit, Flexibilität, Neugier. Hier kann man sich nicht hinter brillanten Argumenten, persönlichem Charme, einem süssen Lächeln, imposanten Zahlen oder der Anordnung „von oben“ verstecken. Diese Ebene ist „Arbeit mit offenem Visier“.

Nichts für schwache Nerven.

2 Kommentare zu „Gschpüerschmi?“

  1. Claudia Benninger

    Und genau diese von dir beschriebene Ebene macht die Sache so lebendig und lebenswert!

    Was ich dir, lieber Claudius, noch schreiben wollte und nicht dazu kam: Dein letzter (Sommer)- Blog war total witzig und hat ungeahnte Talente aufblitzen lassen. Bitte mehr davon!

    en Gruess
    Claudia

    1. Dr. Claudius Fischli

      Liebe Claudia
      Tja, da hast du recht: diese Ebene macht den grossen Unterschied. Ich weiss, wie direkt du da aus Erfahrung sprichst…
      Danke auch für die Ermunterung, weitere Cartoons zu zeichnen. Ideen sind da, ich arbeite an der Umsetzung 🙂

      Liebe Grüsse!

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