Have a good weakand!

“Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden”, schreibt Niklas Luhmann. Der Meister aus Bielefeld hat sicher recht. Doch ein bisschen Empirie hat noch nie geschadet, oder?

Neulich arbeitete eine Gruppe von internationalen Nachwuchs Führungskräften an einem recht kniffligen Rollenspiel. In jenem hatte eine Kollegin aus Frankreich einen wichtigen Part und versuchte sich in der Kunst der Delegation. Diese Auftragserteilung beinhaltete, den Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt eine Aufgabe zu erklären – auf Englisch. Ein spezielles Detail der Anlage war, dass die mit der Übung verbundenen manuellen Operationen ausschliesslich mit der linken Hand zu tätigen waren.

Die Leute schauten sehr andächtig. Wie sich das für Worte „von oben“ gehört. Gleichzeitig jedoch machten sie dabei verdächtig grosse Augen. Und fragten nach anfänglichem Zögern ganz scheu, was es genau mit diesem „weekend“ auf sich habe.

Leichtes Zucken der Augenbrauen bei der “Chefin”.

Geduldig erklärte sie den ganzen Auftrag noch einmal. Aber erneut konzentrierte sich die Reaktion der Zuhörenden weniger auf die genannten Ziele und Erfolgskriterien, sondern auf die zweifellos wichtige Rolle dieses ominösen Wochenendes.

Sichtbare Irritation in der Mimik der „Chefin“.

Bis sie sich, aus dem Grossraum Paris stammend, ihrer genetisch angelegten nonverbalen Fähigkeiten besann und abwechslungsweise mit der linken und der rechten Hand lebhaft gestikulierend ausführte: „You have to work with the hand you do not write with – your weak hand“. Mit besagter nonverbaler Unterstützung endlich gelang der kommunikative Durchbruch – unter befreitem, lauten Gelächter und ungeachtet der Tatsache, dass „weak hand“ – also “schwächere Hand” – in ihrem unnachahmlichen französischen „Ynglich“ unverändert klang wie „weekend“.

In die grosse Heiterkeit mischten sich aber auch nachdenkliche Töne: So unterhaltsam dieses Missverständnis für alle Beteiligten wie Anwesenden gewesen war, so eindrücklich sensibilisierte es für die tagtägliche Praxis des Nicht-Verstehens: Wie schnell passieren Missverständnisse! Wie rasch wird der Fehler beim Gegenüber gesucht! Wie mühelos finden sich scheinbare Bestätigungen für die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Hernn X oder Madame Y! etc.

Das so charmant gehauchte „weakand“ lehrt zweierlei: 1. Es lauert überall. 2. Nachfragen lohnt sich.

3 Kommentare zu „Have a good weakand!“

  1. Silvia Erb

    …und einmal mehr bestätigt sich mein gutes und bewährtes Motto. Nachfragen bei Nicht-Verstehen. Auch das Umfeld ist meist dankbar. 🙂
    Danke für die amüsante Geschichte.
    Herzlichst
    Silvia

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