So geht Zukunft

Echte Teams bilden sich nur, wenn eine allen Beteiligten bewusste und gespürte Not besteht; wenn kein „Messias“ in Aussicht ist, der die Lösung hat und diese liefert; wenn alle Beteiligten akzeptieren, dass sie in der bestehenden Not-Wendigkeit aufeinander angewiesen, voneinander abhängig sind…

Ein Führungsteam innerhalb eines Tech Konzerns: Nach vielen erfolgreichen Jahren plötzlich finanziell unbefriedigende Resultate. Zunehmend glücken Vorhaben nicht mehr. Der Markt verändert sich schnell. Tiefgreifender Technologiewandel kündigt sich an. Frust macht sich breit, weil trotz aller Anstrengungen die Trendwende, die erhoffte Erlösung nicht kommt.

Die Stimmung ist angespannt, der Umgang wird ruppiger, man geht sich auf die Nerven. Der Blick ist auf den Chef gerichtet und die Erwartung hoch, dass er ein Machtwort spricht, endlich durchgreift. Dass die Beteiligten sich gegenseitig als fachlich hoch kompetent einschätzen und einander als Personen durchaus mögen, macht die ganze Sache nicht einfacher.

Die wichtigste Frage in der Arbeit mit diesem Team war: „Glaubt jeder, dass hier die richtigen Leute für diesen Job zusammen sitzen?“

Das „Nein“, mit dem einige antworteten war schmerzhaft. Für alle. Aber diese Ehrlichkeit war der entscheidende Moment in diesem Teamprozess. Denn sie öffnete den Weg für die Klärung der Hintergründe dieses Neins: für die Offenlegung von Verletzungen, Kränkungen, Missverständnissen. Diese Ehrlichkeit bewirkte, dass um Verzeihung gebeten wurde und Vergebung beginnen, Vertrauen neu aufgebaut werden konnte.

Techniker stehen allgemein nicht im Ruf, besonders empfindsame Naturen zu sein. Wie aber diese fünf sich der Verantwortung für sich selber, für einander, für den Bereich und für das Gesamtunternehmen stellten, das war eindrücklich. Berührend. Einmalig.

So geht Zukunft.

 

P.S. Danke meinem Kollegen Erich W., mit dem ich dieses Team begleite und ohne den das alles nicht möglich wäre!

2 Kommentare zu „So geht Zukunft“

  1. Hannah

    Lieber Claudius

    in deinem Blog ist so eine Kraft uns Schönheit! Menschen unterwegs mit Menschen, da steckt so viel drin!
    Dein Satz “so geht Zukunft” hat mich inspiriert mich bei gerade aktuellen Situationen zu fragen “geht so Zukunft?” Und dabei habe ich erstaunt gemerkt, dass ich beim Reflektieren meiner inneren Haltung oder Reaktion, z.B. dem Geschäftsführer gegenüber, sehr rasch weiss: nein, wenn ich mich so verhalte, dann funktioniert Zukunft nicht! Nun bin ich am tüfteln, wie ich nächsten Dienstag an der Sitzung anders mit ihm und der Situation umgehen könnte, dass ich sagen kann “ja, so funktioniert Zukunft”. Ich bin sehr neugierig wie sich diese Frage als Selbstreflexionsfrage bewähren wird und wie sich die z.T. angespannte Situation verändern wird.
    Ich wünsche dir ein erholsames, kraftvolles Wochenende!
    Herzliche Grüsse
    Hannah

  2. M. Waser

    Coole Sache. Das wäre in den wenigsten Teams des so genannten “sozialen” Bereichs wohl so möglich. Da steht zwar in jedem Leitbild “Offenheit” drin und “Wertschätzung”. Aber gelebt wird etwas ganz anderes. Weiter so “Techies”! 🙂

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