Spätherbst

Vor nicht so langer Zeit lief die Arbeit mit einer Gruppe nicht ganz so gut wie erhofft. Darum schaute ich mir das nach dem Training besonders genau an und versuchte ehrliche Antworten zu finden auf Fragen wie: Was war los? Was ist gelungen, was nicht? Wie war deine Einstellung? Hast du dich etwas getraut, hast du gekniffen? Warst du konzentriert, offen, klar? Wie stand es mit Spontaneität, Überblick, Präsenz?

Die Übung «vor dem Spiegel» förderte keine echten offensichtlichen Fehler zu Tage. Also bat ich meine Trainingspartnerin um eine gemeinsame Analyse. Rückmeldung: Deine Arbeit war voll OK.

OK. Das immerhin.

In besagter Gruppe war aber so vieles so anders gewesen als in so vielen anderen Gruppen! Da waren Leute gewesen, die die Nerven komplett weggeschmissen hatten. Gleichzeitig hatten andere gefunden „this is it!“, das sei eine tolle Lernsituation, genau die, die sie in ihrem Arbeitsalltag perfekt unterstützt!

Ich wandte mich darum für eine zusätzliche Klärung an den Auftraggeber. Rückmeldung: Man habe schon dies und das gehört. Und ein paar herausfordernde Momente habe es offensichtlich gegeben. Aber es sei alles im grünen Bereich, das gehöre ja zum vereinbarten Konzept des Trainings. Einer der Kritikpunkte sei allerdings: ich würde mit «veralteten Modellen» arbeiten und es gebe doch bedeutend „neuere und aktuellere»…

Meine erste Reaktion?

«Wie kann man nur! …Wie kann man Qualität nach deren vermeintlichen Verfallsdatum beurteilen!»

Die Empörung dauerte jedoch nur kurz. Schon auf dem Heimweg fragte ich mich (und frage mich seither immer noch): Was ist die Botschaft dieser Rückmeldung?

Die Antwort? Werde ich vielleicht das nächste Mal finden.

8 Kommentare zu „Spätherbst“

  1. Ursa

    Verfallsdatum abgelaufen – puuuh – was für ein vernichtendes Urteil!

    In unserer Schnelllebigen Zeit soll permanent etwas Neues geboten werden …
    Dabei vergessen wir, dass vieles Zeit benötigt um zu Reifen und stark zu werden.
    Ich finde es wichtig, Gutes und Bewährtes beizubehalten.
    Die Erfahrungen unserer Vorgenerationen könnten es uns erzählen.

    Wer jedesmal das Rad neu erfinden will, verzichtet darauf, aus Bisherigem das Pflänzchen wieder wachsen zu lassen.

    Vielleicht ist Zukunft auch nur so möglich!

  2. Silvia Erb

    Da erinnere ich mich an eine Gruppe, in der sich ein Teilnehmer ganz arg aufregen musste, weil Wissensvermittlung und allgemeine Infos via Flip und Pinwand erfolgten.
    Sein Statement: In Zeiten der Moderne werde doch mit Beamer und PowerPoint Präsentationen gearbeitet und nicht mit so angestaubten Gerätschaften!

    Doch was macht es für einen Unterscheid? Entscheidend ist doch der persönliche Lerneffekt und nicht die Art und Weise des Equipments.
    Das jedenfalls meine Meinung.

    Getreu meinem Motto in vielen Lebenslagen…. “Vo, ond bi dä Altä cha mä leenä!”

    Grüsse an die Blogger und nach AI 🙂

  3. Gerhard

    “Veraltete Modelle” … a bissl billig. Das heisst im Klartext doch: “Wir wissen nicht, was wir wollen, aber DAS wollen wir nicht”. Sauschwierig. So kann man fast nicht arbeiten.
    Lass mich raten: Das waren Junggenies aus dem Magistrat der Stadt Wien?!
    Ich trink ein Krügerl auf Dich und die Gruppe!

    1. Silvia Erb

      In der Schweiz gib es ein passendes Lied zu deinem Beitrag.
      Hier ein Teil daraus in einigermaßen Regelsprach-Übersetzung 🙂
      “Hans Dampf im Schneckenloch hat alles was er will. Und was er hat das will er nicht, und was er will das hat er nicht….”
      Trink ein Krügerl für mich mit.
      Gruss Silvia

  4. Elke Hintermann

    Wenn man auf gute, vertraute Methoden zurückgreifen kann würde ich auch keinen Grund sehen, diese nicht mehr einzusetzen.
    Neues heisst nicht immer besser!!!!
    Eric Bernes Transaktionsanalyse und auch die 4 Ohren von Schultz von Thun stammen aus Mitte des 20. Jahrhundert und werden heute noch aktiv in der Kommunikation eingesetzt.
    Also – das Modell einsetzen, welches für die Situation am besten passt- ob alt, ob neu!!

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