…Vertrauen ist besser

In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, mit unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten aus Organisationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei begegneten mir unzählige Bilder und Erfahrungen zur Frage, wie die Menschen es schaffen, miteinander und in den von ihnen geschaffenen Organisationen zusammen zu arbeiten.

Bekanntlich steckt der Teufel im Detail. So auch hier. Prominente Konstrukte wie Führung, Teamgeist, Unternehmenskultur suggerieren Antworten auf die richtigen Fragen. Bei genauerer Betrachtung verschleiern sie viel und halten davon ab, die insgesamt zahlreichen Faktoren genauer zu analysieren, die dafür sorgen, dass Menschen, Teams und Organisationen ein gutes Auskommen mit einander finden. Vor allem eine Kraft wird immer wieder als zentral bezeichnet und in der Praxis der Aus- und Weiterbildung von Führungskräften sträflich vernachlässigt: Vertrauen.

Dabei besteht kein Zweifel daran, dass Vertrauen unabdingbar ist, wenn Zusammenarbeit wichtig und nicht selbstverständlich ist. Doch statt ein zentrales Lernfeld von Vorgesetzten, Teams und Organisationen zu sein, gehen die Bemühungen (der Trainings-Branche) über Lippenbekenntnisse bzw. Allgemeinplätze wie „Vertrauen ist sehr wichtig“ kaum hinaus. Auf diesen Eindruck jedenfalls kann kommen, wer mit Menschen arbeitet, die in ihren zum Teil jahrzehntelangen Aus- und Weiterbildungskarrieren noch nie ERFAHREN haben, warum Vertrauen so zentral ist. Und wie es aufgebaut werden kann. Und zu welchen unerwarteten und einmaligen Resultaten echtes Vertrauen führen kann.

Anscheinend wird eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Vertrauen ausgeklammert, weil es ein fragiles Phänomen ist und sich einfachen Rezepten entzieht – was eher Ansporn als Entschuldigung sein sollte. Gerade auch für Ausbildungsprofis.

Der Hintergrund für diese Gedanken ist meine eingangs erwähnte Arbeit der letzten intensiven Wochen: Enorm eindrücklich war die Erfahrung, wie weitgehend die Leistungsfähigkeit einer Gruppe beschränkt wird, wenn auch nur eine einzige Person nicht in der Lage ist, das notwendige tiefer reichende soziale Vertrauen in die Menschen um sie herum zu fassen. Ähnlich faszinierend das Erlebnis, wie Menschen aus allen Kontinenten in kürzester Zeit eine Vertrauensbasis schaffen können, welche eine intensive und produktive Zusammenarbeit über kulturelle, politische, religiöse, professionelle und zwischenmenschliche Differenzen hinweg ermöglicht.

Klar, wir bauen unsere Entscheidungen auf den Erfahrungen in der Vergangenheit. Doch wenn die Vergangenheit die Kontrolle übernimmt wird es schwierig. Zukunft gibt es nicht ohne Vertrauen, denn es nimmt vorweg, was in der Zukunft möglich werden kann. Darum: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

1 Kommentar zu „…Vertrauen ist besser“

  1. Ursa

    Ver-trauen

    Worte mit Ver-… haben gemäss der Psychologin und Autorin Leila Kühne de Haan meist den Sinn, eine ansonsten wertfreie Bedeutung ins Negative zu kippen. So sind Versuche das Scheitern einer Suche. Übertragen auf Ver-trauen impliziert der Ausdruck dass es besser wäre misstrauisch zu sein.

    • Warum TRAUEN wir Menschen so wenig (zu)?
    • Wie kommt es, das wir alle von „Ver-trauen ist gut“ sprechen jedoch Kontrolle ist besser tun?
    • Kein Wunder, dass wir uns sehr zurückhalten, wenn wir anderen etwas zu-trauen sollten.

    Bevor wir jedoch anderen etwas zu-trauen, sollten wir unseren eigenen Kompetenzen trauen. Wenn wir in unserem Urteilsvermögen sicher sind, können wir auch anderen Menschen anspruchsvolle Aufgaben übergeben.

    Allerdings ist da ein Klima der Offenheit Bedingung. Themen, auch unbequeme sind anzusprechen. Lippenbekenntnisse sind ein No-go!

    Wenn jemand eine ihn fordernde Aufgabe erhält und dann plötzlich vor beinahe unüberwindlichen Hindernissen steht, muss diese Person die Schwierigkeiten gegenüber Vorgesetzten und Teammitgliedern aussprechen können, ohne gleich abwertende Bemerkungen oder gar Sanktionen z.B. in Form von Entzug der Sache befürchten zu müssen.

    Die Bereitschaft der anderen zur Unterstützung, kann diesen Mensch über sich herauswachsen lassen. Ein Mehrwert für die ganze Gruppe entsteht.

    Ein Stück weit kann so auch Pessimismus aufgefangen, gar neutralisiert werden. Probieren wir es aus und trauen wir uns und den anderen.

    Wir alle gewinnen dabei!

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