Wünsche ans Christkind

Wir bewegen uns, soviel ist klar, schnellen Schrittes auf das Jahresende zu und damit auf eine Zeit, in der sich traditionell Gedanken aufdrängen, auf das Geschehene zurück zu blicken und zu resümieren. Nicht selten tritt der Fall dabei ein, dass dieses Gedanken in den leisen Wunsch münden, gewisse Dinge – Hand aufs Herz! – im neuen Jahr anders, besser, jedenfalls nicht so zu machen wie gehabt.

Für solche Wünsche zu dieser Zeit ist die Adresse schlechthin … das Christkind.

Vor ein paar Tagen teilte ich mit zwei Mitreisenden ein Abteil im Intercity von St.Gallen nach Zürich. Sie schienen recht gut bekannt miteinander zu sein und tauschten sich zu Beginn der gemeinsamen Reise über die eine und andere private Angelegenheiten aus. Je länger die Reise dann aber dauerte, desto mehr drehte sich die Unterhaltung darum, wie es „im Büro so abgeht“. Der wiederholt fallende Begriff „Horror“ legte nahe, dass den beiden so einige Wünsche ans Christkind einfallen würden, was im kommenden Jahr, anders, besser, jedenfalls nicht so laufen sollte in ihrem Job „wie gehabt“…

In Oerlikon gab ich mich als organisationssoziologisch interessierten Menschen zu erkennen und versuchte, die kurze noch verbleibende Zeit bis Zürich für Klärungsfragen zu nutzen. Die beiden bestätigten, dass ich auch jene Punkte richtig verstanden hatte, die mir auf Anhieb doch eher exotisch angemutet hatten.

Ich überlegte mir, wie die beiden Frauen (beides zweifellos engagierte Teamleiterinnen) ihre beruflichen Wünsche ans Christkind formulieren würden. Vielleicht wie folgt…

„Bitte, bitte liebes Christkind, sag unseren Chefinnen und Chefs:

  1. Beschränkt die Nutzung von sozialen Medien zwecks Bewältigung von kreativen Durchhängern auf einen echt kleinen Teilnehmerkreis.
  2. Lasst die Menschen ihre Arbeit machen – auch wenn Social Media euch den gewissen Kick gibt.
  3. Zähmt Euren Tatendrang: 17 Whatsapp Nachrichten noch vor Arbeitsbeginn? Nicht cool.
  4. Hört auf mit Einzelgesprächen zu Teamthemen. Die Leute reden sowieso.
  5. Gewöhnt Euch an Teamsitzungen und Transparenz, damit alle das gleiche hören.
  6. Lasst Fragen zu. Die Leute schätzen es, wie normale Menschen behandelt zu werden.
  7. Stellt bitte ganz, ganz viele Assistentinnen ein, die Euch gut führen.
  8. Seid eine Art lernende Autoritäten. Das wäre sehr cool.

…und Danke, vielen Dank!“

Vielen Dank auch den beiden Mitfahrerinnen.

Jetzt heisst es derweil einmal: Warten aufs Christkind.

1 Kommentar zu „Wünsche ans Christkind“

  1. Ursa

    Lieber Claudius

    Ganz besonders das Thema von Einzelgesprächen zu Teamthemen erinnert mich an eigene, äusserst unangenehme Situationen. Hilflosigkeit, Wut und gar Zorn waren damals heftige Gefühle, die ich jeweils verbergen musste – da war der Vorgesetzte selber empfindlich.
    Auch die Transparenz an Teamsitzungen kann ich heute noch unterschreiben.
    Lernende Autoritäten – wofür bekommen sie sonst derart teils exorbitante Salaire!
    Es ist doch keine Schande wenn ein Teil des Lohns in eine Weiterbildung zugunsten des Teams investiert wird.

    Dein Brief ans Christkind ist eine wunderbare Idee!
    Danke, lieber Claudius und friedliche Weihnachten.
    Ursa

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